Fällungsgrund: Straßenverschmutzung

“Es werden nicht grundlos Bäume gefällt”, sondern es wird immer abgewogen, ob eine Fällung notwendig ist. “Dreck machen” ist allerdings ein Fällungsgrund. Das teilte mir gestern Abend in der Gemeinderatssitzung unser Bürgermeister Björn Jungbauer mit.

Anfang 2018 wurden in der Egenburgstraße mehrere alte Obstbäume gefällt. Da kurz vorher ausführlich im Gemeinderat über den Erhalt von Bäumen am Sportplatz diskutiert wurde, schrieb ich eine E-Mail an alle damaligen Gemeinderäte und den Bürgermeister. Im Laufe dieses E-Mail-Verkehrs gab der Bürgermeister anstehende Tiefbauarbeiten an der Egenburgstraße als Fällungsgrund an, außerdem die Fahrbahnverschmutzung durch Fallobst. Gestern fragte ich in der Sitzung also, wie denn jetzt der Planungsstand in der Egenburgstraße sei, schließlich seien die Bäume weg. Daraufhin erhielt ich die Antwort, die Bäume seien nur wegen der Fahrbahnverschmutzung gefällt worden!
Lest weiter unten, was wir für Ideen haben, wie mit Bäumen im Ortsbereich umgegangen werden sollte, warum diese so wichtig sind und wie in Würzburg Stadtgrün aktiv gefördert wird.

Hier sind meine E-Mails an den Gemeinderat bzw. den Bürgermeister. Aus meinen Antworten kann man sich die Aussagen des Bürgermeisters ableiten, die ich hier nicht veröffentliche, da ich nicht weiß, ob ich das darf.

7. Februar 2018:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Gemeinderäte,

mit Bestürzung habe ich gesehen, dass in der Egenburgstraße Obstbäume gefällt wurden. Das hat mich sehr überrascht, da in den letzten Gemeinderatssitzungen doch intensiv über Baumfällungen beraten wurde, und somit festgestellt wurde, dass Diskussionbedarf dazu vorhanden ist. Der Bauausschuss hat zwar der Fällung zugestimmt, ist aber kein beschließendes Gremium, so dass Fällungen von Bäumen in dieser Größe in der Gemeinderatssitzung hätten beschlossen werden müssen. Gerade Obstbäume können gut zurückgeschnitten werden, so dass man auf diese Weise die Einhaltung des Lichtraumprofils hätte erreichen können. Bei Obstbäumen ist der Stamm innen meist dunkel, das ist kein Zeichen für Überalterung und somit kein Fällungsgrund.


Damit Kirchheims Innerort nicht bald ohne größere Bäume kahl dasteht, bitte ich um:

1.) Veröffentlichung des angekündigten Baumkatasters

2.) Feststellung des Wertes eines (älteren) Baumes durch die untere Naturschutzbehörde

3.) Ausschöpfung aller anderen Möglichkeiten zum Erhalt eines Baumes (Rückschnitt, Stabilisierungsmaßnahmen etc.)

4.) Ankündigung jeder Baumfällung mit Begründung mindestens 4 Wochen vorher

5.) Pflanzung von Ersatzbäumen an Stellen, die der Allgemeinheit dienen, also das Ortsbild verschönern, Schatten spenden oder an viel befahrenen Straßen den Staub abfangen

Ich bitte Sie, daran zu denken, dass Bäume nicht nur Dreck und Arbeit machen. Sie produzieren die Luft, die wir zum Leben brauchen, sie binden Kohlendioxid für viele Jahrzehnte, sie verbessern das Mikroklima in ihrer Umgebung, sie bieten Lebensraum für unzählig viele Lebewesen, Nistmöglichkeiten für unsere immer seltener werdenden Singvögel und vieles mehr. Gerade ältere, größere Bäume sind erhaltenswert!

Mit freundlichen Grüßen

Antje Boyks


und vom 16. Februar 2018:

Sehr geehrter Herr Jungbauer,

vielen Dank für Ihre Antwort und die Erläuterungen die Baumfällungen in der Egenburgstraße betreffend.

Einige Aussagen haben mich dabei allerdings überrascht. Sie führen an, dass sich in den letzten Jahren niemand mehr um die Bäume gekümmert habe. Da die Bäume auf Gemeindegrund stehen, ist dies Aufgabe der Gemeinde. Als Anwohner darf man gemeindeeigene Bäume nicht zurückschneiden, zumindestens haben Sie mir das damals deutlich gesagt, als ich in der Burkardstraße den einzigen in die Straße ragenden Baum beschnitten habe.

Bezüglich der Verschmutzung der Straße durch das Fallobst kann ich nur wieder betonen, dass es schade ist, dass bei Bäumen nur der Dreck gesehen wird. Mit einem Rückschnitt hätte man auch die Obstmenge verringern können.

Eine schöne Idee sind sonst auch Baumpatenschaften oder ein Schild an den Bäumen, dass man das Obst gerne pflücken darf. Ich selber gehe oft an vollen Apfelbäumen vorbei, traue mich aber nicht etwas zu ernten, da ich nicht weiß, wem das Obst gehört.

Dass die Gemeinde Bäume nicht grundlos fällen lässt, sollte übrigens selbstverständlich sein. Leider ist eine Fällung immer die einfachste Lösung, wenn ein Baum irgendwie stört. Mit der Veröffentlichung einer Liste der geplanten Fällungen samt Begründung, wie ich sie vorgeschlagen habe, kann man gemeinsam nach Lösungen für einen Erhalt des Baumes suchen. So eine Liste könnte eine Abstimmung über jeden Baum im Gemeinderat u.U. ersetzen.

Ich finde es sehr schön, dass für jeden gefällten Baum mindestens ebenso viele neue gepflanzt werden. Leider habe ich im Altort, außer gegenüber vom Grötsch und auf dem Friedhof, keinen neuen Baum entdecken können. Die Neupflanzung auf dem Friedhof ist allerdings kein Ersatz für die alte Weide und wird auch nie deren biologische Wertigkeit erreichen.

Haben Sie eine Liste für mich, wo die neuen Bäume alle stehen?

In unserem Gemeindewald wächst mehr Holz nach als geerntet wird. Das ist vorbildlich und schon seit vielen Jahren so. Sie sagen, dass Ihnen eine nachhaltige Entwicklung und der Umweltschutz wichtig sind. Das freut mich sehr! Dafür ist es aber enorm wichtig, nicht nur den Wald zu sehen. Wie schon erwähnt, ist es für alle Tiere – Vögel wie Insekten – wichtig, dass sie ausreichend differenzierten Lebensraum finden. Dazu gehören eben auch große Solitärbäume sowohl im Innenort wie auch in der Flur, sowie Hecken, Wiesen, Weiher usw. Die Blühstreifen sind schon ein schöner Anfang, aber lange noch nicht genug.

In Würzburg wird zur Verbesserung des Klimas das Stadtgrün gefördert. Privatleute erhalten für Begrünungsmaßnahmen einen Zuschuss. Das wäre eine schöne Initiative auch hier in Kirchheim!

Mit freundlichen Grüßen,

Antje Boyks


Daraufhin erhielt ich die knappe Antwort, dass es keine Liste gibt, die die Nachpflanzungen dokumentiert. Über einen Zuschuss für Begrünungsmaßnahmen muss der Gemeinderat entscheiden.

Schade, dass unser Bürgermeister nicht auch bei den Straßenverschmutzungen durch die Steinindustrie so konsequent handelt wie mit diesen Bäumen!

Antje Boyks ist Apothekerin. In Zeiten der Klimakrise versucht sie, die Welt ein bisschen besser zu machen. Das fängt an beim Ressourcenschutz (Altbausanierung, Dinge so lange wie möglich nutzen, wenig Konsum), geht über die Nutzung regenerativer Energien und endet in politischer Beteiligung.

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